… und hoffentlich in Zukunft einzig negative, die ich hier reinschreiben werde. Eigentlich passt eine Restaurantkritik nicht so ganz zum restlichen Rahmen hier, aber warum eigentlich nicht. Sie soll ja in diesem Fall dazu dienen, dass sich vielleicht ein paar Mitmenschen nicht so ärgern müssen, wie wir es am Freitag getan haben.

Streng genommen geht es gar nicht um ein Restaurant, sondern eine Dinnershow, und zwar die von Herrn Schuhbeck in München, genannt teatro. Mein Mann hat mir zu Weihnachten 2 Karten dafür geschenkt, inklusive Taxianfahrt und organisiertem Kindersitter. Es sollte mal wieder ein toller Abend für uns zwei werden. Wir haben uns auch sehr darauf gefreut, denn wir waren schon einmal in Schuhbecks teatro vor ein paar Jahren, und es war wirklich toll gewesen – die Show und das Essen. Das war damals…

Inzwischen findet man das schöne Spiegelzelt nicht mehr recht zentral in München, sondern eher abseits in Riem. Blöd, wenn man aus unserer Ecke kommt und durch den Feierabendverkehr muss, aber das war einfach Pech für uns.

Mein Schatz hat uns Karten in der Deluxe Kategorie gekauft, meine Recherche gerade ergab einen Preis von 114€ pro Nase zuzüglich 45,50€ für das Menü, dazu das Getränkearrangement A für schlappe 69€. Alles in allem eine ganz ordentliche Summe. Der Champagner zur Begrüßung (im Arrangement enthalten) war in Ordnung, das Ambiente im Vorzelt auch recht nett. Dann gleich ein erster sehr negativer Eindruck, als wir an unseren Platz gebracht wurden: Es war megaeng am Tisch. Es saß nicht eine korpulente Person an unserem trapezförmigen Tisch, aber wir mussten beide mehr oder weniger zur Hälfte neben unserem Gedeck sitzen. Alle haben versucht noch irgendwie ein bisschen zu rutschen, aber es ging einfach nicht. Die nette aber der deutschen Sprache nicht ganz mächtigen Bedienung hat uns dann bevor wir überhaupt richtig saßen eine Weinkarte hingeklatscht und wollte sofort wissen, welchen Wein wir denn wünschten. Wir haben um ein paar Minuten Zeit gebeten, und dann beim nächsten Auftauchen einen der drei Rotweine bestellt.

Die Show begann dann mit etwas Selbstbeweihräucherung  und großer Ankündigung des 10jährigen Jubiläums, was man mit uns Gästen heute feiern wollte. Darüber freuten sich natürlich alle und es lag eine gewisse Erwartungshaltung in der Luft. Die Kostüme der Sängertruppe waren schön, und wechselten mehrfach und teilweise spektakulär während der etwa dreistündigen Show. Die Stimmen waren auch gut, wenn auch nicht sehr gut, einzig der Sänger, der den Freddie Mercury später kopierte fiel mir sehr positiv auf. 2 Männer führten dann immer wieder durch das Programm, teilweise ganz nett. Da einer der beiden aber den Dummkopf gab und noch extrem schwäbelte, fand ich das eher nervig. Das liegt aber an mir, ich mag einfach diesen Dialekt überhaupt gar nicht. Es waren aber trotzdem ein paar Szenen dabei, die amüsant waren. Die Reisexylophon-Nummer und das Spiel auf den Schüsseln waren toll.

Die erste Künstlereinlage „Alex und Barti“ war wohl ganz nett, habe aber von der Marionette trotz Drehbühne so gut wie gar nichts gesehen. Auch als der später noch einmal auftrat, stand er ob der zu langsam drehenden Bühne nur mit dem Rücken zu uns. Das war einfach schlecht gemacht.

Es folgte der erste Menügang. Ein viergeteilter Teller mit Graved Lachs auf Honig-Dill- Sauce (mein Lachs war so angetrocknet, dass er sich nicht mal mehr entrollen ließ), gefüllten Kalbsfleischpflanzerl auf würzigem Schuhbeck Senf (die waren ok, aber nichts besonderes), rosa gebratenes Roastbeef auf Remoulade (ebenfalls fürchterlich ausgetrocknet, das muss ewig offen gestanden sein) und eine „Toskanische Gemüsevariation“ (puh, was soll ich dazu sagen, ein paar Zucchini, Paprika und Möhrchen, eher geschmacksneutral angemacht). Wir waren etwas enttäuscht. Das sollte Sterneküche sein?

Inzwischen hatten wir auch den Rotwein, der gerade so lala schmeckte. Die nächste Showeinlage war gut, die Peres Brothers aus Spanien, die tolle Akrobatik mit sehr beeindruckender Körperbeherrschung zeigten. Oben ohne auch zugegebenermaßen ein optisches Schmankerl für die Zuschauerinnen. Beeindruckend war auch die Kontorsionskünstlerin Christina Garcia. Es tut einem ja schon alles beim Zuschauen weh, aber wegschauen kann man irgendwie auch nicht mehr. Super war der Abschluss, bei dem sie im Handstand einen Bogen mit den Füßen abschießt und einen Luftballon trifft. Wow!

Es folgte der Zwischengang eine “Cremesuppe von Kürbis und Karotte mit a bisserl Ingwer und Romanesco“. Hat nicht schlecht geschmeckt, aber ich erwarte mir von einem Sternekoch einfach mehr als eine pürierte Gemüsesuppe mit Romanesco reingeworfen… Es fehlte einfach an Raffinesse. So eine Suppe bekomme ich hier bei uns im Ort in einem kleinen Café mittags auch für unter 5€ frisch gekocht, und selbst in den Styroporschüsseln als take away ist es liebevoller mit originellen Toppings  angerichtet. 

Zum Ausgleich für Männer folgte eine gelungene Pole-Dancenummer mit Sheila Nicolodi, zur Freude der Herren sehr leicht bekleidet, wie auch der Rest der Künstlerinnen. Nicht ganz fair für uns Damen, oder? Zwischendrin immer wieder Gesang-/Kostümnummern, ganz nett, aber vom Niveau her deutlich unter der Vorstellung bei unserem letzen Besuch. Eher nicht gelungen fand ich dann den Auftritt einer jungen Dame, die auch im Programm auf der teatro-Website nicht näher erwähnt wird. Sie turnte eine ganze Weile an einem großen Ring in luftiger Höhe herum, wirkte aber nicht wirklich grazil oder agil, weil einfach ein bisschen zu moppelig…

Dann der Hauptgang: Böff la mott und rosa gebratenes Kalbsfilet mit Wirsing-Spinat, Serviettenknödel und 7erlei Pfefferjus. Das war geschmacklich ganz gut, allerdings hatte ich als eine der wenigen am Tisch Glück mit dem Rindfleisch, bei vielen war es sehr flachsig und somit schlecht zu schneiden und kauen. Auch hier hätte man da ganze irgendwie netter auf dem Teller arrangieren können. Der in unseren Augen am Anfang etwas sehr kalt servierte Rotwein gewann leider auch mit der Zeit nicht an Geschmack, und so bemühte ich mal die Google-Suche meines Smartphones. Böser Fehler! Der Wein kostet im Onlinehandel 3,99€!!! Genauso schmeckte er auch, nämlich nicht. Unsere Tischnachbarn hatten auch schon ihren Wein geschimpft, der ebenfalls in dieser Preisklasse online auftauchte, gleicher Winzer und Jahrgang wie der im Internet, hier aber noch als Edition Schuhbeck angepriesen. Das war wirklich geradezu eine Frechheit. Natürlich gibt es auch für 4 € gut trinkbare Weine. Bei unserem Winzer am Neusiedler See sogar sehr gute. Aber das hier war wirklich eine Plörre, die man sich auch mit einer zweiten Flasche nicht schön trinken konnte. Wir waren sauer, und der Rest des Tisches schockiert über diese dreiste Leuteveräppelung.

Es folgten zwei mittelprächtige Showeinlagen, eine Rollschuhnummer des Duo Giurintano und eine Jonglage. Die Rollschuhnummer gab es schon beim letzten Mal, und die Artisten wirkten ein wenig in die Jahre gekommen. Klingt ein bisschen böse. Das Drehen auf der winzigen Bühne ist schon beeindruckend, aber wenn Männer mit offenen Hemden auftreten, sollte der Bauch mehr Waschbrett als Waschbär sein – bitte!!! Der Jongleur Tony Garcia war ok, aber nichts besonderes. Beim letzen Mal traten 2 junge (nordafrikanische?) Damen auf und zeigten wesentlich spektakulärere Kunststücke… Der letzte Auftritt von „Flight of Passion“ war sehr gut und beeindruckend, eine komplexe Strapatenshow der beiden Ukrainer. Mein Espresso zum Dessert war eher auf der winzigen Seite, man musste ihn ein wenig in der Tasse suchen. Gefühlt ein halber… Das Dessert an sich war ok, folgte aber leider ein bisschen dem Tenor der Gänge zuvor – nichts Besonderes. Es war eine dreigeteilte Variation von dunkler Schokolade. Als Digestif wählten wir einen Ramazotti, da konnte man schließlich nichts falsch machen 🙂 Alles in allem war es eine herbe Enttäuschung nach dem letzten Mal.

Eher überflüssig auch die zweifache Gesangseinlage zum Ende von Herrn Schuhbeck – das braucht es nicht wirklich. In diesem Fall, und auch wenn er nicht schlecht gesungen hat, gilt für mich eher „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ oder in dem Fall Koch, bleib bei deinen Töpfen, denn die hätten es nötig gehabt…  Außer uns waren aber die meisten Zeltinsassen schon so angetüddelt, dass sie den Auftritt phänomenal fanden. Bei der abschließenden Vorstellung des Teams waren wir auch erstaunt, dass alle Köche einen sehr jugendlichen Eindruck machten (ich will nicht sagen, dass junge Leute nicht kochen können!). Hat aber auch den Eindruck bestätigt, dass wo es nur ging gespart wurde.

Und mit dem Wein kamen wir uns ehrlich gesagt bei dem Getränkepreis geradezu verar…t vor. Keine gute Werbung, und für uns war es definitiv das letzte Mal bei teatro – das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach gar nicht mehr. Für das Geld kann man sich was anderes ansehen und auf ganz anderem Niveau essen gehen… Und wir würden uns ehrlich gesagt nicht gerade als schwierige Gäste bezeichnen. Ich kann mich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr erinnern, wann wir das letzte Mal mit einem Restaurantbesuch unzufrieden waren. Wir hätten es vermutlich mehr wie der Rest des Zeltes halten und 3-4 Flaschen pro Pärchen reinschütten sollen, das hebt die Laune doch ungemein…

Mein lieber Schatz, trotz allem danke für die Karten, es war ja dennoch ein unterhaltsamer Abend. Wir hätten ihn halt beide lieber mit begeistertem Genießen als gemeinsamem Lästern verbracht!

Liebe Grüße

Moni