Tag Archive: rotes Volk


Nein, es handelt sich nicht um einen akuten Befall unserer Beuten mit Holzwürmern. Der Wurm ist heuer im ganzen Schwarmgeschehen der roten Beute.

Ein kurzer Rückblick:

Vorschwarm am 08. Mai – fast alle Bienen kehren aber nach Hause zurück. Aber eben nur fast alle, die Königin und ein paar wenige Getreue ziehen in unseren Dachgiebel ein. Am nächsten Tag konnte ich sie von dort bergen und mit ein paar abgestoßenen Bienen aus der roten Beute zu einem Mini-Schwarm von 650g vereinen. Einzug in die erste Hälfte der Montessorischulbeute.

13. Mai: Ausbrechen fast aller anderer Weiselzellen, dabei schlüpft mir in der Hand eine Königin, diese darf aber durchs Flugloch wieder einziehen. (Fehler von mir, hätte dann um den Nachschwarm zu verhindern wirklich alle anderen Weiselzellen entfernen müssen, war mir aber nicht sicher, ob sie die Königin wirklich annehmen)

Nachschwarm am 16. Mai – chaotisches Ausfliegen, überall kleine Ansammlungen von Bienen, der Großteil hängt an der gelben Beute und unter ihrem Deckel. Nach mühseligem Einsammeln keine schöne Schwarmtraube in der Schwarmkiste. Einen Tag später zieht der 1,2 Kilo-Schwarm in die zweite Hälfte der Montessoribeute ein – und tags darauf auch leider wieder aus, und zwar ohne von mir wieder gefunden zu werden…

Und dann habe ich es tatsächlich 14 Tage lang geschafft, den Deckel zu zu lassen. Erste Kontrolle am 30. Mai: keine Königin zu finden aber Stifte. Das wäre jetzt soweit ok, wenn da nicht fast alle Stifte in den Drohnenzellen gewesen wären, und davon ganz viele mehrfach bestiftet und nicht sauber in der Mitte platziert.

Ich ermahnte mich erneut zu mehr Geduld (brav, gell?) und wollte der jungen Königin noch etwas Zeit geben. Am Anfang ihrer Legekarriere kann es schon mal zu so unsauberen Eiablagen kommen. Was mich aber wirklich sehr irritierte, war die Tatsache, dass in so gut wie keiner Arbeiterinnenzelle Eier zu finden waren. Nur ein paar sehr wenige waren bestiftet, und die Lagen immer in unmittelbarer Nähe zu den Drohnenzellen…

 

02. Juni, also drei Tage später immer noch das gleiche Bild: in allen Drohnenzellen lagen Eier „herum“ erste Maden waren geschlüpft. Die Bereiche mit Eiern waren auch über die ganze Beute verteilt.

Jetzt schrillten bei mir alle Alarmglocken. Ein zweifach abgeschwärmtes Volk produziert doch nicht nur Drohnen? Und eine Jungkönigin würde doch nicht nur in Drohnenzellen stiften? Meine Vermutung war, dass wer auch immer dort Eier legte, das in alle Zellen tat, aber die Arbeiterinnen korrigierten die Fehlablage unbefruchteter Eier und entfernten diese weitestgehend wieder aus den Arbeiterinnenzellen. Ich habe alle Waben und die ganze Beute noch einmal sehr gründlich nach einer Königin abgesucht, aber leider immer noch Fehlanzeige.

Das Wetter war ja fast zwei Wochen lang nach dem Schwärmen schon eher bescheiden gewesen, so dass die Möglichkeit einer fehlbegatteten Königin bestand. Oder sie war gar nicht erst vom Hochzeitsflug zurück gekommen. Aber wegen der Verteilung der Stifte über alle Rähmchen war meine Vermutung eher dass ein oder mehrere Drohnenmütterchen das Ruder in die Hand genommen hatte(n). Alle anderen jungen Königinnen in meiner Bienenmuttilaufbahn hatten immer mit einem kleinen aber geschlossenen Brutnest auf einer Wabe angefangen, und nicht von 1 – 13 wild herumgestiftet. Dazu noch ein paar Weiselzellen, die ebenfalls mehrfach bestiftet waren. Und der Ausbau der zunächst sehr ordentlich angefangenen Wabe 13 wurde zunehmend schlampig und chaotisch.

Das i-Tüpfelchen waren dann bei der letzten Durchsicht ein paar sich seltsam benehmende Arbeiterinnen, die von den anderen ständig berührt wurden und mit dem Hinterleib in die Zellen abtauchten… (leider habe ich davon kein gutes Video, als ich das Handy endlich im Videomodus hatte, konnte ich dieses Verhalten nicht mehr beobachten)

Auf jeden Fall großer Mist… Nach meinen Erfahrungen vom Vorjahr wollte ich das Volk aber noch nicht aufgeben (das bunte Chaosvolk mit all seinen Irrwitzigkeiten im letzten Jahr hat heuer von allen den meisten Honig, das stärkste Volk und sogar noch einen 3 Kilo-Schwarm). Also fuhr ich am Montag, den 03. Juni vormittags ins schöne und nahegelegene Grünwald, um von einer Imkerin eine neue, begattete Königin zu holen. Passend zu ihrem bisherigen Standplatz im Garten der Polizeiinspektion hat sie ein grünes Rückenschild. 😉 Ungezeichnet hätte ich bevorzugt, war aber auf die Schnelle nicht zu bekommen.

Eine Einweiselung in ein drohnenbrütiges Volk mit potentiellen Drohnenmütterchen ist ein eher sehr problematisches Unterfangen. Wie ich in diesem Fall vorgegangen bin, schreibe ich im nächsten Post – jetzt wird erst einmal das schöne Wetter genossen!

Ein Volk zieht um!

Dank eines wirklich schnellen Versandes der Einraumbeute durch Mellifera und Anstrichs derselbigen im Akkord durch meine Wenigkeit, konnte Volk No. 5 am Samstagmorgen in seine neue Behausung umziehen. Ich war ein wenig aufgeregt, ob das auch so klappen würde, wie ich mir das vorstellte!

Alt und Neu 🙂

Und dann lief es eigentlich wirklich ganz einfach. Zuerst habe ich die zurechtgesägten Ytong-Steine an Ort und Stelle platziert. Als nächstes wurde die Notablegerbox nach hinten verschoben und die neue ERB so hingerückt, dass sich das Flugloch an der gleichen Stelle befand. Innerhalb von wenigen Sekunden herrschte ein beachtlicher Stau vor dem Flugloch und es wurde recht schnell laut.

Ich hängte als nächstes die Rähmchen in der richtigen Reihenfolge und Ausrichtung in die neue Kiste um. Dabei marschierte mir die Königin auf einer Wabe wunderbar entgegen und „präsentierte“ sich zum ersten Mal:

We proudly present Königin Pia I. (weil eine meiner allerbesten Freundinnen am Schwarmfangtag Geburtstag hatte – und wir hoffen, dass die Königin genauso unkompliziert, brav und fleissig wie ihre Namenskollegin sein wird! 😉 Ganz liebe Grüße nach Nordkalifornien an dieser Stelle!!!). Ein Prachtexemplar, oder?

Relativ flott waren alle Rähmchen umgezogen:

Die restlichen Bienen von den Wänden der Notbeute habe ich soweit es ging noch in die Einraumbeute abgestoßen und den Rest dann vorsichtig auf deren Deckel gefegt, von wo aus sie dank der fleißigen Fluglotsinnen am Eingang schnell den Weg hinein fanden.

Hier saßen noch einige Sammlerinnen etwas verwirrt auf der Balkonmauer:

Die Einweiserinnen bei der Arbeit:

Das Getöse vor dem Flugloch legte sich dann auch recht schnell wieder. Eine guten halbe Stunde nach Verschließen sah der Flugverkehr schon wieder ziemlich normal und geordnet aus.

Hier habe ich noch ein nettes SlowMotion-Video vom Flugloch. Die machen einen ganz schönen Wind – man beachte die Krümel, die aus der Beute geschossen kommen. Auch die einfliegenden Bienen haben ganz schön mit dem Gegenwind zu arbeiten!

Sie haben ihre Rähmchen schon recht gut ausgebaut und werden in den nächsten Tagen Nachschub bekommen. Somit wird jetzt aus No. 5 das „Rote Volk“. Ich hoffe sie fühlen sich wohl da oben in luftiger Höhe! 🙂